Abschied in einen Neuanfang

Written by Vera

Grußworte der 1.Vorsitzenden zur Weihnachtsfeier

Liebe Kinder, liebe Vereinsmitglieder und Freunde,

wir kommen selten in so großer Zahl zusammen. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen und auch ein paar Worte zur aktuellen Situation unseres Vereins sagen. Da natürlich vor allem unsere Kinder sicher mehr Interesse am Weihnachtsmann und seinen Geschenken haben, werde ich mich aber so kurz wie möglich fassen. Das ist sicher auch im Interesse aller Anwesenden 😉 Auf den Punkt gebracht: In der bisherigen Form werden wir das Haus nicht halten können! Insofern ist dies heute auch ein Abschied. Aber ein Abschied in einen Neuanfang, denn wir kämpfen weiterhin darum, dass Kinder und Familien mit dieser besonderen Herausforderung angemessene Unterstützung zu Teil wird. In welcher Form und in welchem Umfang hierbei die Villa „Laut und Lustig“ eingebunden sein kann, darauf werde ich gleich noch einmal zu sprechen kommen.

Dass ich im Sommer im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gewählt wurde, zeigt eigentlich schon, wie dramatisch sich die Situation unseres Vereins in diesem Jahr zugespitzt hat. Entsprechend waren die vergangenen Wochen und Monate auch für alle Vorstandsmitglieder geprägt von einem ständigen Auf und Ab bei der Suche nach Lösungen. Mir als neuer Vorsitzenden stellte sich zunächst die Aufgabe, einen Überblick zur tatsächlichen finanziellen Lage unseres Vereins zu erhalten. Und das ist mehr als nur den Kontostand zu kennen und aktuelle Rechnungen zu bearbeiten. Insofern bin ich Rudi aber sehr dankbar, dass er sich vorstandsintern um die finanzielle Lage unseres Vereins kümmert und damit sowohl Sabine wie mir einen Großteil der organisatorischen Arbeit abnimmt. Leider ist auch er sehr beschäftigt und so konnten wir manches noch nicht abschließend klären.

Das ist jetzt aber auch nicht unser vordringliches Problem, denn ich sehe diese Aufgabe bei ihm durchaus in guten Händen. Was dieses Haus betrifft, mussten wir jedoch feststellen, dass wir allein als Elterninitiative HIV-betroffenere Kinder die Villa „Laut und Lustig“ in der bisherigen Form nicht erhalten können. Die Kosten hierfür übersteigen unser Leistungsvermögen und stehen nicht nur meiner Ansicht nach in keinem gesundem Verhältnis zum eigentlichen Anliegen des Vereins. Entsprechend waren Sabine und ich gezwungen, die Konsequenzen zu ziehen und sowohl Miet- wie auch Arbeitsverträge zum 31.12.2009 zu kündigen. Als neue Vorsitzende hätte ich mir sicher angenehmere Pflichten gewünscht. Umso wichtiger finde ich es, jetzt den Blick nach vorn zu richten.

Aktuell haben wir nach unseren Unterlagen 86 Vereinsmitglieder. Wir können zwar viel selber leisten, aber ganz ohne Sponsoren geht es nun mal nicht. Bei der Vielzahl unserer Kontakte aus den vergangenen Jahren ist es wirklich keine einfache Aufgabe, diese wieder zu aktivieren. Zumal die Dokumentation von Vertragen und Absprachen bisher leider nicht so organisiert war, dass der neue Vorstand sofort agieren konnte. Aber wir sind dabei, dies zu ordnen. Gleichzeitig mussten wir das Gespräch mit bekannten Sponsoren suchen, welche sich zurückgezogen haben oder zurückziehen wollten. So wollte zwar der Holthausener Freundeskreis scheinbar seine finanzielle Unterstützung einstellen, als wir ihnen ehrlich sagen mussten, dass wir nicht mehr in der Lage sind die „Villa Laut und Lustig“ in der bisherigen Form zu hatten. Wie mir Peter aber von einem Gespräch beim Holthausener Weihnachtsmarkt berichtete, gibt es durchaus Bereitschaft, uns zumindest teilweise wieder zu helfen, wenn wir eine geeignete Form für den Weiterbetrieb in diesem Haus finden. Das stimmt zuversichtlich. Und es deckt sich auch mit meinen Erfahrungen aus Gesprächen mit potenziellen Sponsoren. Leider musste Peter auch erfahren, dass sich ein anderer unserer bisherigen Sponsoren – die Firma Henkel – vollständig zurückziehen will. Doch auch hier hoffe ich, das da noch ein Umdenken einsetzt. Ich bin da ziemlich zuversichtlich.

Persönlich war ich beispielsweise vergangenen Monat in Berlin und habe die Gelegenheit genutzt, um mit einer Vertreterin von „Tribut to Bambi“ zu sprechen. Ein Sponsor, der unsere Arbeit in der Vergangenheit wirklich großzügig unterstützt hat! Die Weiterentwicklung unserer Aktivitäten oder gerade deren Nicht-Weiterentwicklung ließen aber – aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbare – Bedenken aufkommen. Dennoch sind die Türen für uns dort nicht zugeschlagen, auch wenn diesbezüglich bei unserer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein anderer Eindruck entstanden war. Für einen Neuanfang haben wir hier sicher wieder einen potenziellen Helfer, denn unsere Anliegen genießt weiterhin gutes Ansehen. Aber wir müssen den Neuanfang auch machen, wenn wir diese Chancen ergreifen wollen.

Wie kann dieser Neuanfang aussehen? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits eine sogenannte Verschmelzung mit dem Albert Schweizer Familienwerk. Hierzu hatten wir erst vor zwei Wochen ein sehr konstruktives Gespräch mit deren Vorsitzendem, Prof. Geiling, sowie seinem Nachfolger, Herrn Lomb. Da zeigt sich für uns die Perspektive auf, dass wir quasi geschlossen mit allen Mitgliedern dem Albert-Schweizer-Verein beitreten. Dieser übernimmt dann unsere Vermögen und tritt auch in unsere Verpflichtungen ein. Für uns sicher die bequemste Lösung, denn anschließend müsste sich der Vorstand des Familienwerks darüber Gedanken machen, ob und in welcher Form die Villa „Laut und Lustig“ sowie unsere Familienarbeit fortgeführt wird. Wie ich jedoch wenige Minuten vor Beginn unserer Weihnachtsfeier erfahren habe, hat sich deren Vorstand in dieser Woche dagegen ausgesprochen. Auch wenn jetzt die Enttäuschung bei manchem unserer Mitglieder groß sein mag, vor allem weil nach unseren bisherigen Gesprächen die Verschmelzung doch fast schon „beschlossene Sache“ war, bitte ich Euch um Verständnis für diese üebrraschende Wendung. Auch das Albert Schweizer Familienwerk ist ein gemeinnütziger Verein, der wirtschaftlich mit seinen Mitteln umgehen muss.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass wir uns selbst einen Dachverband suchen oder mit einen anderen Verein zusammenarbeiten, dessen Anliegen mit unseren übereinstimmen. So stehe ich etwa derzeit im Kontakt zum Verein „Bibimalaika’s Kinderhilfsprojekt Kenya“, welcher sich in Kenia um Waisenkinder kümmert, deren Eltern an AIDS verstorben sind. Sicher, eine völlig andere Situation, als wir sie hier in Deutschland haben. Vor allem auch mit Blick auf die medizinische Betreuung. Doch das soll hier heute nicht mein Thema sein. Die Sorgen und Nöte der Familien dort sind durchaus ähnlich. Da ich Ende Januar privat nach Kenia fliegen werde, will ich versuchen, auch hierbei Optionen einer Zusammenarbeit zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen auszuloten. Aber was hat das dann noch mit unserem Anliegen der Unterstützung von Kindern in betroffenen Familien hier zu tun? Die Antwort ist einfach, wenn ich Eure Aufmerksamkeit – bevor ich gleich zum Ende meiner Rede komme – noch einmal kurz auf die Entstehung unseres Vereins richten darf. Auf eine Zeit, als es noch keinerlei Angebote für betroffene Familien gab.

<>Eigentlich kann dazu Petra mehr sagen, die zur außerordentlichen Mitgliederversammlung im Sommer wieder in den Vorstand gewählt wurde. Sie hatte damals den Kontakt zu den Eltern von Tobias Fürst, welcher inzwischen leider nicht mehr unter uns ist. Aber die Familie wollte sich nicht ihrem „Schicksal“ ergeben und suchte andere, die ähnliche Erfahrungen haben. Und sie waren aufgeschlossen für alle, die dabei in irgend einer Form mithelfen wollten. Eine Offenheit, die auch wir wieder zu einer unserer Stärken machen sollten. Einfach um sich auszutauschen, Lösungen zu finden, Gutes zu tun. Und dabei waren sie offen für alle, die irgendwie mithelfen wollten, denn es gab rein gar nichts für Menschen in unserer Situation. Diese Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang mit einer Belastung, die heute glücklicherweise nicht mehr zwangsläufig ein schreckliches Ende finden muss, hat die Familien damals stark gemacht und letztlich auch zur Gründung unseres Vereins geführt. Aber schon das gegenseitig füreinander mit Rat und Tat einstehen, hat diesen Familien in einer Zeit große Kraft gegeben, in welcher die allgemeine Öffentlichkeit noch nicht einmal realisiert hatte, wie heftig die Auswirkungen auf die sozialen und familiären Beziehungen solcher Menschen sein können. Die Ehrung unserer zweiten Vorsitzenden, Sabine, für Ihr privates Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz zeigt auch, dass unsere Sorgen und Nöte inzwischen durchaus auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das darf sich aber nicht auf solche einzelnen Höhepunkte oder den alljährlichen 1.Dezember-Aktionen beschränken. Es braucht kontinuierliche Arbeit, das ganze Jahr über.

Ja, heute sieht das etwas anders aus. Mancher wird wissen, dass ich in den vergangenen Wochen auch privat eine harte Zeit mit meiner Tochter durchlebt habe und die Probleme eines Teanagers, welcher gerade entdeckt, das die anderen Mädchen anders aussehen, auch noch nicht ausgestanden sind. Das hat zu vielen Konflikten geführt und ich bin dankbar, dass mir Eva in dieser Situation zur Seite gestanden hat! Wir haben also durchaus etwas, für dessen Erhalt es sich zu kämpfen lohnt! Und damit meine ich nicht ein riesiges Haus, welches wir gar nicht auslasten können. Ich meine eine Elterninitiative, welche anderen Eltern mit Rat und manchmal vielleicht auch nur mit einem offenen Ohr zur Seite steht. Ich meine eine Villa „Laut und Lustig“, die ein Anlaufpunkt für alle ist, die dem Leben von Familien in einer ganz besonderen Situation ein wenig mehr Freude schenken wollen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir noch oft Gelegenheit haben, uns in einer „Villa Laut und Lustig“ mit unseren Kindern zu treffen, zu reden und auch zu feiern.

 

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